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Sackhüpfen in der Stadt

Netzwerk „Kinderfreundliche Stadt“ lud zum „Weltspieltag“ nach Fürth


FÜRTH  - „Außen, außen, innen, Mitte, Breite – außen, außen, raus!“ Den Schüttelreim fürs Gummihüpfen hatten die beiden Mädchen schnell raus. Die Jungs begnügten sich derweil mit dem choreografisch weniger anspruchsvollen Seilspringen oder Ballwerfen. Gestern nahmen die Fürther Kinder beim „Weltspieltag“ ihre Fußgängerzone in Beschlag – natürlich zum Spielen.



Nicht nur die Eltern, sondern „auch die Passanten strahlen, wenn sie die Kinder spielen sehen“, beteuert Maria Fontana-Eberle. Die Vorsitzende des Fürther Netzwerks Kinderfreundliche Stadt hat mit ihren Mitstreitern den gestrigen „Weltspieltag“ zum Anlass genommen, einen Teil der Schwabacher Straße in einen Spielplatz zu verwandeln.

Denn genau das ist ihr Ziel nach dem Motto „Spielorte neu entdecken“: Nicht so viele öffentlich finanzierte Spielplätze mit teuren Spielgeräten, die dann je nach Kassenlage der Kommune vor sich hingammeln oder ganz geschlossen werden. Die Mädchen und Jungen sollen einfach raus und den öffentlichen Raum für sich erobern. Über die Konfliktträchtigkeit ist sich Fontana-Eberle natürlich im Klaren.

„Kinder verschwinden zunehmend aus dem öffentlichen Raum. Dort, wo sie lautstark ihrem Spieltrieb nachgehen, geraten sie in Konflikt mit ruhebedürftigen Erwachsenen. Verbotsschilder nehmen ihnen die letzten Freiflächen“, moniert sie.

Die unlängst von der Bundesregierung beschlossene Gesetzesänderung, Kindergeschrei nicht mit Lärm aus Gewerbe- und Industriebetrieben gleichzusetzen, könne erst der Einstieg in eine kinderfreundlichere Gesellschaft sein.

Für die Entwicklung

„Die Praxis sieht leider noch etwas anders aus“, bedauert Maria Fontana-Eberle, „das Bewusstsein verändert sich nur allmählich.“ Dabei ist Spielen für die geistige und körperliche Entwicklung der Kinder besonders wichtig, weil es gleichermaßen motorische, sensorische oder soziale Kompetenzen fördert.
Die Mädchen und Jungen interessieren sich verständlicherweise nicht für derlei pädagogische Erkenntnisse. Mit bunten Kreidestiften malen sie die Felder für das Himmel-und-Hölle-Spiel auf das Pflaster der Fußgängerzone. Andere werfen sich Bälle zwischen all den tütentragenden Passanten zu. Und zumindest an diesem Tag wagt es niemand, sich zu beschweren.

29.05.2011