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Die Stadt setzt den Rotstift an Spielplätzen an


Sechs derzeit nur wenig öffentliche Anlagen sollen aufgelöst werden — Die Entscheidung wurde vertagt - 06.03. 22:00 Uhr



FÜRTH  - Die Stadt macht bei ihren Sparbemühungen selbst vor Kinderspielplätzen nicht halt. Im Raum steht der Verwaltungsvorschlag, sechs wenig genutzte Spielplätze aufzulösen. Die SPD signalisierte im Bauausschuss diese Woche ihre grundsätzliche Bereitschaft, über das Vorhaben zu entscheiden, doch die CSU sieht noch Beratungsbedarf und setzte eine Vertagung der Entscheidung durch.
 

Kinder auf der Elefantenrutsche des Spielplatzes am Löwenplatz. Die Referentenrunde steht der vorgeschlagen Auflösung kritisch gegenüber.
Foto: Joachim Sobczyk  

Es geht konkret um die Spielplätze am Löwenplatz, in der Industrieanlage auf der Hardhöhe, in der Theodor-Heuss-Straße, in der Hummelstraße, an der Geißäckerstraße und im Bärengässchen. Sie werden laut Grünflächenamt nur wenig genutzt und verfügen über keine besonders attraktive Ausstattung. Teuer ist dennoch der Unterhalt, denn die Sicherheit muss mit regelmäßigen Inspektionen und Reparaturen gewährleistet werden. Um die strengen Vorschriften erfüllen zu können, sind wöchentliche Inspektionen nötig. Eingehendere Kontrollen gibt es jedes Quartal, einmal im Jahr nimmt zudem der TÜV die Anlagen unter die Lupe.

In einem Gutachten der Heyder + Partner GmbH für Kommunalberatung wurde im vergangenen Oktober die Auflösung ungenutzter Spielplätze zur Haushaltskonsolidierung vorgeschlagen. Am Grünflächenamt lag es nun, mögliche Standorte ausfindig zu machen und das konkrete Einsparpotenzial zu ermitteln.
Jugendamt meldet Bedenken an
Eine an DIN-Normen orientierte Untersuchung hat ergeben, dass im Nahbereich der sechs Standorte alternative Spielflächen vorhanden sind. Das städtische Jugendamt meldete auf den Vorstoß des Grünflächenamtes aber Bedenken an. Schon jetzt gebe es zu wenig Spielplätze. Das Defizit werde nur flächenmäßig durch Einbeziehung großer Bolzplätze ausgeglichen. Lohnen würde sich der teure Rückbau der Spielanlagen nach den Worten des stellvertretenden Grünflächenamtsleiters Ernst Bergmann nur bei einem Verkauf und anschließender Bebauung der frei werdenden Flächen. Das Kaufinteresse ist laut Liegenschaftsamt allerdings sehr gering. Nur ein Teilstück des Spielplatzes an der Hummelstraße würde zum Beispiel die Kirchenstiftung St. Marien übernehmen – ausgerechnet, um hier eine Freispielfläche für den Kindergarten anzulegen.

Insgesamt verfügt Fürth über 91 Spielplätze, Bolz- und Skateanlagen mit einer Fläche von 188628 Quadratmetern. Nach der Faustregel „Pro 1000 Einwohner eine öffentliche Spieleinrichtung“ müssten es jedoch 114 sein. 22 Stadtteile sind derzeit noch unterversorgt. Seit 1998 hat die Kommune 26 neue Spielplätze angelegt und 18 bestehende generalsaniert.

Hellauf entsetzt über den Vorstoß zur Auflösung von sechs Spielplätzen ist die Sprecherin des Netzwerks Kinderfreundliche Stadt in Fürth, Maria Fontana-Eberle. Sie weist auf einen großen Widerspruch hin: „Wir klagen einerseits, dass unsere Kinder nicht mehr draußen spielen, nur noch vor dem Computer sitzen, und setzen gleichwohl bedenkenlos den Rotstift an Freiflächen an.“ Nach den Worten der Netzwerksprecherin sind aufwendige Ausstattungen gar nicht so wichtig. „Kinder lieben einfach freie Flächen“, sagt Fontana-Eberle. Viel zu oft knicke die Stadt jedoch ein, wenn sich Nachbarn über die Geräuschkulisse der Spielplätze beklagen. Und das, obwohl das Spielen vom Gesetzgeber nicht mehr als schädlicher Lärm eingestuft wird, vor dem die Nachbarschaft geschützt werden muss.